
Die kurze Antwort: Außenliegende Verschattung und konsequentes Nachtlüften sind die beiden wirksamsten Maßnahmen, und beide kosten wenig bis nichts. Ventilatoren kühlen nicht, helfen aber der gefühlten Temperatur. Luftkühler ohne Abluftschlauch sind keine Klimaanlagen und können die Lage sogar verschlechtern.
Bevor Sie mehrere Tausend Euro ausgeben, lohnt ein ehrlicher Blick auf die Maßnahmen, die vorher kommen. Manche davon ersetzen eine Klimaanlage tatsächlich, andere nicht. Wir sortieren nach Wirkung, nicht nach Preis.
Was am meisten bringt: außenliegende Verschattung
Das ist die wirksamste Maßnahme überhaupt, und sie wird am häufigsten übersprungen. Der Grund ist Physik: Sonnenstrahlung, die durch die Scheibe kommt, wird im Raum in Wärme umgewandelt und bleibt dort. Was Sie draußen abfangen, muss drinnen nicht weggekühlt werden.
Deshalb wirken Rollläden, Markisen, Raffstores und Fensterläden deutlich besser als innenliegende Rollos oder Vorhänge. Bei innenliegendem Sonnenschutz ist die Energie bereits im Raum, er verringert nur die direkte Blendung.
Besonders lohnend ist das an Süd- und Westfenstern und an Dachflächenfenstern, wo die Sonne mittags fast senkrecht auftrifft.
Nachtlüften, aber richtig
Der zweite große Hebel kostet gar nichts. Sobald die Außentemperatur unter die Innentemperatur fällt, meist in den frühen Morgenstunden, bringt weites Öffnen gegenüberliegender Fenster kühle Luft ins Haus. Der Effekt ist erheblich, wenn Sie den Durchzug tatsächlich zulassen und nicht nur ein Fenster kippen.
Wichtig ist die Umkehrung tagsüber: Fenster geschlossen halten, auch wenn es sich falsch anfühlt. Wer bei 34 Grad lüftet, holt Wärme herein.
Grenzen hat die Methode in dichten Innenstädten, wo es nachts kaum abkühlt, und bei Räumen, die aus Sicherheitsgründen nicht offen bleiben können.
Ventilatoren: kühlen nicht, helfen trotzdem
Ein Ventilator senkt die Raumtemperatur nicht, im Gegenteil, sein Motor gibt sogar etwas Wärme ab. Er verbessert aber die Verdunstung auf der Haut, und dadurch fühlt sich dieselbe Temperatur mehrere Grad kühler an.
Für viele Situationen reicht das, und der Stromverbrauch liegt bei einem Bruchteil einer Klimaanlage. Die Grenze ist erreicht, wenn die Raumtemperatur so hoch ist, dass der Körper auch mit Luftbewegung keine Wärme mehr abgeben kann, oder bei sehr hoher Luftfeuchte.
Luftkühler und Verdunstungsgeräte: Vorsicht
Geräte, die ohne Abluftschlauch auskommen und mit Wasser arbeiten, werden gern als Klimaanlage vermarktet. Sie sind keine. Sie verdunsten Wasser und senken die Temperatur der austretenden Luft dabei geringfügig, geben aber Feuchtigkeit an den Raum ab.
In geschlossenen, gut gedämmten Räumen kann sich die gefühlte Situation dadurch sogar verschlechtern, weil höhere Luftfeuchte das Schwitzen erschwert. In trockenen Klimazonen funktionieren solche Geräte besser als bei uns.
Wärmequellen im Raum reduzieren
Ein Punkt, der unterschätzt wird, weil er unspektakulär ist. Ein alter Fernseher, ein leistungsstarker Rechner, mehrere Halogenspots oder ein Kühlschrank in einer kleinen Küche geben spürbar Wärme ab. In unserem Rechner sind Wärmequellen deshalb eine eigene Position.
Wer im Sommer den Backofen meidet, Wäsche draußen trocknet und Geräte konsequent ausschaltet statt sie im Bereitschaftsbetrieb zu lassen, senkt die Grundlast messbar.
Dämmung und Bauliches
Die Dämmung der obersten Geschossdecke ist bei vielen älteren Häusern die Maßnahme mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung, und sie hilft im Winter genauso. Bei ausgebauten Dachgeschossen lohnt ein Blick darauf, ob über der Schräge nachgebessert werden kann.
Das ist keine Sofortmaßnahme für den nächsten Hitzetag, aber wenn ohnehin saniert wird, gehört es in die Überlegung.
Wann keine Alternative mehr reicht
Ehrlich bleibt festzuhalten: Ab einem gewissen Punkt hilft nur aktive Kühlung. Das ist typischerweise der Fall, wenn es nachts nicht mehr unter 20 Grad abkühlt, wenn der Raum baulich stark aufheizt und Verschattung nicht möglich ist, oder wenn gesundheitliche Gründe eine verlässliche Temperatur erfordern.
Dann ist die Frage nicht mehr ob, sondern welche Bauart. Die Unterschiede stehen unter Split oder mobiles Klimagerät, und ob sich der Aufwand für Sie rechnet, haben wir unter Lohnt sich eine Klimaanlage durchgerechnet.
Die Reihenfolge, die wir empfehlen
- Außenliegende Verschattung an Süd- und Westfenstern
- Konsequentes Nachtlüften mit Durchzug, tagsüber geschlossen halten
- Wärmequellen im Raum reduzieren
- Ventilator für die gefühlte Abkühlung
- Erst danach über eine Klimaanlage nachdenken, und dann mit kleinerer Leistungsklasse
Klima-Insider Redaktion
Recherchiert und geschrieben von der Klima-Insider-Redaktion. Wir verkaufen keine Geräte und montieren nichts, deshalb können wir auch schreiben, wann sich eine Anlage nicht lohnt. Wie wir arbeiten und wo unsere Grenzen liegen, steht in der Methodik und unter Über uns.
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- Lohnt sich eine Klimaanlage?: ehrlich gerechnet
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