
Die kurze Antwort: SEER gilt fürs Kühlen, SCOP fürs Heizen. Beide sind Saisonwerte und rechnen Teillast und Standby mit ein, anders als die Momentanwerte EER und COP. Deshalb darf man einen SEER nicht direkt gegen einen EER stellen, auch wenn genau das ständig gemacht wird.
Auf jedem Energielabel stehen zwei Zahlen, die über die Betriebskosten entscheiden. Trotzdem werden sie in Verkaufsgesprächen selten erklärt, und in Vergleichen werden sie regelmäßig mit anderen Werten verwechselt. Das lohnt sich zu verstehen, weil der Unterschied zwischen zwei Geräten über die Jahre mehrere Hundert Euro ausmacht.
Die Grundidee
Beide Werte beantworten dieselbe Frage: Wie viel Kühl- oder Heizleistung bekomme ich aus einer eingesetzten Kilowattstunde Strom? Ein SEER von 7 bedeutet grob, dass aus einer Kilowattstunde Strom über die Saison etwa sieben Kilowattstunden Kühlleistung werden.
Das klingt zunächst nach einem Widerspruch zur Physik, ist aber keiner. Das Gerät erzeugt keine Kälte, es transportiert Wärme. Der Strom treibt nur den Transport an.
SEER ist Kühlen, SCOP ist Heizen
SEER steht für die jahreszeitbedingte Energieeffizienz im Kühlbetrieb, SCOP für dieselbe Größe im Heizbetrieb. Wer nur kühlen will, schaut auf den SEER. Wer die Anlage auch als Heizung nutzen möchte, braucht beide.
Beim SCOP ist zusätzlich die Klimazone wichtig, für die er ermittelt wurde. Ein Wert aus wärmeren Prüfbedingungen ist für Deutschland nicht aussagekräftig. Im Datenblatt sollte die zugrunde gelegte Zone stehen.
Der entscheidende Unterschied zu EER und COP
Hier entstehen die meisten falschen Vergleiche. EER und COP sind Momentanwerte, gemessen unter festgelegten Bedingungen bei Volllast. SEER und SCOP sind Saisonwerte: Sie rechnen unterschiedliche Außentemperaturen, Teillastbetrieb und Standby-Verbräuche mit ein.
Weil eine Klimaanlage die allermeiste Zeit nicht unter Volllast läuft, bilden die Saisonwerte den Alltag besser ab. Sie fallen deshalb systematisch höher aus als die Momentanwerte.
Praktisch heißt das: Ein Splitgerät mit SEER 7 und ein mobiles Gerät mit EER 2,8 sind nicht direkt vergleichbar. Der Abstand zwischen beiden Bauarten ist real, aber die Zahlen stehen für Verschiedenes. Wer sie nebeneinanderstellt, übertreibt den Unterschied.
Welche Werte üblich sind
Bei aktuellen Split-Wandgeräten liegen die SEER-Werte meist zwischen etwa 6 und 8, gute Geräte darüber. Die SCOP-Werte liegen typischerweise etwas niedriger als der SEER desselben Geräts. Mobile Monoblockgeräte tragen häufig nur einen EER, üblicherweise im Bereich um 2,6 bis 3,0.
Ein höherer Wert bedeutet niedrigere Betriebskosten bei gleicher Leistung. Ob sich der Aufpreis lohnt, hängt davon ab, wie viele Stunden im Jahr Sie tatsächlich kühlen. Bei wenigen Tagen im Jahr amortisiert sich ein deutlich teureres Gerät kaum, bei ganzjährigem Einsatz mit Heizbetrieb dagegen schon.
Was die Werte nicht sagen
- Nichts über Lautstärke. Ein effizientes Gerät kann laut sein. Der Schalldruck steht getrennt im Datenblatt.
- Nichts über Ihre Wohnung. Die Werte gelten für genormte Prüfbedingungen, nicht für Ihren Dachraum mit Südfenstern.
- Nichts über die Montagequalität. Eine schlecht ausgelegte oder falsch installierte Anlage verliert im Betrieb mehr, als ein besserer SEER einbringt.
- Nichts über Haltbarkeit. Effizienz und Langlebigkeit sind zwei verschiedene Dinge.
Wie Sie die Werte praktisch nutzen
Vergleichen Sie nur Geräte derselben Leistungsklasse und derselben Kennzahl miteinander. Achten Sie darauf, dass der SCOP für die passende Klimazone angegeben ist. Und rechnen Sie den Unterschied einmal in Euro um, statt ihn nur als Zahl zu vergleichen.
Dafür brauchen Sie drei Angaben: die Kühlleistung in kW, den SEER und die geschätzten Betriebsstunden. Wie sich daraus die Stromkosten ergeben, steht im Beitrag zu den Kosten. Und welche Leistungsklasse für Ihren Raum überhaupt in Frage kommt, klärt der Kühllast-Rechner vorab.
Klima-Insider Redaktion
Recherchiert und geschrieben von der Klima-Insider-Redaktion. Wir verkaufen keine Geräte und montieren nichts, deshalb können wir auch schreiben, wann sich eine Anlage nicht lohnt. Wie wir arbeiten und wo unsere Grenzen liegen, steht in der Methodik und unter Über uns.
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