
Die kurze Antwort: Eine reversible Splitanlage ist technisch eine Luft-Luft-Wärmepumpe. Am stärksten ist sie in der Übergangszeit, wenn nur ein Raum warm werden soll. Als Ergänzung sehr brauchbar, als vollständiger Heizungsersatz in Bestandsgebäuden meist nicht, schon weil kein Warmwasser anfällt.
Die meisten Menschen kaufen eine Splitanlage im Juni, weil ihnen zu heiß ist. Dass dasselbe Gerät im Oktober heizen kann, erfahren sie oft erst beim Fachbetrieb. Dabei ist das kein Nebeneffekt, sondern derselbe Vorgang, nur andersherum.
Warum eine Klimaanlage heizen kann
Ein Splitgerät erzeugt keine Kälte. Es transportiert Wärme von drinnen nach draußen. Kehrt man den Kreislauf um, transportiert es Wärme von draußen nach drinnen, auch bei kühlen Außentemperaturen. Damit ist eine reversible Splitanlage technisch eine Luft-Luft-Wärmepumpe.
Der Unterschied zu einem Heizlüfter ist erheblich. Der Heizlüfter wandelt Strom in Wärme um, aus einer Kilowattstunde Strom wird eine Kilowattstunde Wärme. Die Wärmepumpe nutzt den Strom nur, um vorhandene Wärme zu bewegen, und liefert deshalb ein Vielfaches an Wärme pro eingesetzter Kilowattstunde.
Was der SCOP-Wert bedeutet
Wie effizient das über eine ganze Heizsaison gelingt, beschreibt der SCOP. Ein SCOP von 4 heißt grob: Aus einer Kilowattstunde Strom werden über die Saison etwa vier Kilowattstunden Wärme.
Bei 0,37 Euro je Kilowattstunde, dem Haushaltsdurchschnitt nach der BDEW-Strompreisanalyse mit Stand August 2026, kostet die Kilowattstunde Wärme damit rechnerisch etwa 9 Cent. Zum Vergleich lohnt der Blick auf die eigene Gasrechnung, wo der Arbeitspreis je Kilowattstunde steht. Je nach Tarif liegt die Wärmepumpe darunter, gleichauf oder darüber, deshalb ist die pauschale Aussage „heizen mit Strom ist teuer“ so nicht haltbar.
Wichtig: Der SCOP gilt für eine bestimmte Klimazone, die im Datenblatt dabeistehen sollte. Werte aus südeuropäischen Prüfbedingungen sind für Deutschland nicht aussagekräftig.
Die Übergangszeit ist der Sweet Spot
Am stärksten spielt die Splitanlage ihre Vorteile im Frühjahr und im Herbst aus. In dieser Zeit ist es draußen mild, die Wärmepumpe arbeitet effizient, und die Zentralheizung müsste für einen einzelnen kühlen Raum das ganze Haus hochfahren.
Wer morgens im Homeoffice sitzt und nur diesen einen Raum warm braucht, heizt mit dem Splitgerät gezielt und günstig. Genau darin liegt der praktische Nutzen, nicht im Ersatz der Heizungsanlage.
Was im tiefen Winter passiert
Je kälter es draußen wird, desto weniger Wärme steht zur Verfügung und desto mehr Strom braucht die Anlage für dieselbe Wärmemenge. Die Effizienz sinkt also mit der Außentemperatur. Moderne Geräte heizen dennoch bei deutlichen Minusgraden, verlieren dabei aber an Leistung.
Dazu kommt der Abtaubetrieb. Bei feuchter Kälte vereist der Wärmetauscher des Außengeräts, weil er der Luft Wärme entzieht. Die Anlage kehrt dann kurz den Kreislauf um, um das Eis abzutauen. In dieser Zeit heizt sie nicht. Das ist normal und kein Defekt, fällt im Wohnraum aber auf.
Die Grenzen, die man kennen sollte
- Kein Warmwasser. Eine Luft-Luft-Wärmepumpe erwärmt Raumluft, sonst nichts. Dusche und Küche brauchen weiterhin eine andere Lösung.
- Nur der Raum, in dem sie hängt. Warme Luft verteilt sich nicht von allein durch geschlossene Türen. Für mehrere Räume braucht es mehrere Innengeräte.
- Trockene Luft. Im Heizbetrieb sinkt die relative Luftfeuchte spürbar, was manche als unangenehm empfinden.
- Zugluft. Warme Luft kommt mit Geschwindigkeit aus dem Gerät. Die Position im Raum entscheidet darüber, ob das als angenehm empfunden wird.
- Stromtarif. Wer viel elektrisch heizt, sollte den Tarif prüfen, statt es beim Standardtarif zu belassen.
Ersatz für die Heizung oder Ergänzung?
Für die allermeisten Bestandsgebäude ist die ehrliche Antwort: Ergänzung. Eine Splitanlage kann einzelne Räume gezielt beheizen und die Zentralheizung in der Übergangszeit entlasten. Ein vollständiger Ersatz setzt voraus, dass die Anlage die Heizlast des Gebäudes deckt, dass jeder Raum ein Innengerät bekommt und dass die Warmwasserfrage separat gelöst ist.
Genau hier beginnt auch die Verwechslung mit der Luft-Wasser-Wärmepumpe. Die versorgt Heizkörper oder Fußbodenheizung und macht Warmwasser, ist also ein Heizungssystem und kein Klimagerät. Wer den Kessel ersetzen will, sucht dieses Gerät, nicht unseres. Die Unterschiede haben wir unter Luft-Luft oder Luft-Wasser gegenübergestellt.
Und die Förderung?
Kurz gesagt: Für reines Kühlen gibt es keine. Für eine reversible Splitanlage als Heizung kann eine Förderung in Betracht kommen, sie ist aber an enge Bedingungen geknüpft, unter anderem an eine Listung des Geräts, an den Nachweis, dass die Anlage die Heizlast deckt, und an einen Antrag vor Auftragserteilung.
Das ist der Punkt, an dem in der Werbung häufig mit hohen Prozentzahlen gearbeitet wird, die für den typischen Privatfall nicht erreichbar sind. Welche Bedingungen im Einzelnen gelten und woher die beworbenen Prozentzahlen stammen, nehmen wir unter Förderung für Klimaanlagen auseinander. Prüfen Sie den aktuellen Stand in jedem Fall bei der Förderstelle, bevor Sie etwas beauftragen.
Quellen
- BDEW-Strompreisanalyse, Stand August 2026: 37,0 Cent je Kilowattstunde im Haushaltsdurchschnitt. Abgerufen am 15. September 2026.
Klima-Insider Redaktion
Recherchiert und geschrieben von der Klima-Insider-Redaktion. Wir verkaufen keine Geräte und montieren nichts, deshalb können wir auch schreiben, wann sich eine Anlage nicht lohnt. Wie wir arbeiten und wo unsere Grenzen liegen, steht in der Methodik und unter Über uns.
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