
Die kurze Antwort: Dezentrale Geräte sitzen einzeln in der Außenwand und brauchen kein Kanalnetz. Sie lösen Feuchte- und Luftwechselprobleme, kühlen aber nicht. Die Bohrung ist mit 15 bis 20 Zentimetern deutlich größer als bei einer Klimaanlage, und die Fassade betrifft dieselben Zustimmungsfragen.
Wichtig vorab: Dieser Beitrag ordnet allgemein bekannte Zusammenhänge ein und ist keine medizinische Beratung. Wir sind keine Ärztinnen und Ärzte und können keine Beschwerden beurteilen. Bei gesundheitlichen Fragen wenden Sie sich bitte an eine Arztpraxis.
Wer das macht: Die Kernbohrung durch die Außenwand, die Durchdringung der Dämmebene und der Anschluss ans Stromnetz gehören in die Hand eines Fachbetriebs. Dieser Beitrag beschreibt, was solche Geräte leisten und woran Sie eine saubere Ausführung erkennen, und ist keine Montageanleitung.
Eine zentrale Lüftungsanlage mit Kanalnetz lässt sich im Bestand selten nachrüsten. Dezentrale Geräte sind der Kompromiss: Sie sitzen einzeln in der Außenwand und kommen ohne Kanäle aus. Ob das für Sie passt, hängt vom Problem ab, das Sie lösen wollen.
Wie sie funktionieren
Ein dezentrales Lüftungsgerät sitzt in einer Kernbohrung in der Außenwand. Es fördert abwechselnd Luft nach draußen und nach drinnen. Ein Wärmespeicher im Gerät nimmt beim Ausströmen Wärme auf und gibt sie beim Einströmen wieder ab, deshalb der Begriff Wärmerückgewinnung.
Üblich ist der Betrieb paarweise: Während ein Gerät ausbläst, saugt das andere an, damit ein Luftstrom durch die Wohnung entsteht.
Wofür sie gut sind
- Feuchte- und Schimmelprobleme, die aus zu seltenem Lüften entstehen
- Schlafräume und Kinderzimmer, in denen die Luft über Nacht verbraucht wird
- Lärmbelastung von außen, wenn Fensterlüften keine Option ist
- Dichte Fenster nach einer Sanierung, seit denen die Wohnung nicht mehr von allein lüftet
- Allergiker, wenn Pollen über Filter zurückgehalten werden sollen, siehe Klimaanlage für Allergiker
Wofür sie nicht gut sind
Sie kühlen nicht. Wer im Sommer ein Temperaturproblem hat, löst es damit nicht, siehe Lüftungsanlage oder Klimaanlage. Manche Geräte bieten einen Sommerbetrieb ohne Wärmerückgewinnung an, damit nachts kühle Luft hereinkommt. Das unterstützt, ersetzt aber keine Kühlung.
Und sie ersetzen keine Sanierung. Wenn Feuchtigkeit von außen eindringt, ist die Ursache baulich.
Was bei der Montage zählt
Es braucht eine Kernbohrung durch die Außenwand, meist im Bereich von 15 bis 20 Zentimetern Durchmesser, also deutlich größer als bei einer Klimaanlage. Dieselben Regeln gelten: leichtes Gefälle nach außen, saubere Abdichtung und bei gedämmter Fassade ein sauberer Abschluss der Dämmebene, siehe Die Kernbohrung.
Dazu kommt die Frage nach dem Stromanschluss, siehe Der Stromanschluss, und in Miet- und Eigentumswohnungen die Zustimmung, weil auch hier die Fassade betroffen ist, siehe Recht und Genehmigung.
Geräusche
Der Ventilator sitzt im Raum, deshalb ist ein dezentrales Gerät hörbar, gerade in Schlafräumen. Achten Sie auf die Angaben zur niedrigsten Stufe und darauf, ob das Gerät dort noch genug Luft bewegt. Dasselbe Prinzip wie bei Klimaanlagen: Wer nur auf höchster Stufe genug Leistung hat, schaltet nachts ab.
Was Sie realistisch erwarten können
Dezentrale Geräte leisten weniger als ein zentrales System und decken jeweils nur den Bereich um sich herum ab. Für einzelne Problemräume sind sie eine gute Lösung, für eine ganze Wohnung braucht es entsprechend viele Geräte, und dann lohnt der Vergleich mit einer zentralen Lösung, sofern ohnehin saniert wird.
Klima-Insider Redaktion
Recherchiert und geschrieben von der Klima-Insider-Redaktion. Wir verkaufen keine Geräte und montieren nichts, deshalb können wir auch schreiben, wann sich eine Anlage nicht lohnt. Wie wir arbeiten und wo unsere Grenzen liegen, steht in der Methodik und unter Über uns.
Weiterlesen
- Kaufberatung im Überblick: die Entscheidung Schritt für Schritt
- Lüftung oder Klimaanlage: welches System Ihr Problem löst
- Die Kernbohrung: worauf bei der Durchführung zu achten ist
- Für Allergiker: wenn gefilterte Frischluft das Ziel ist
- Recht und Genehmigung: Zustimmung bei Fassadeneingriffen