Redaktionell unabhängig, ohne eigenen Shop Werbung gekennzeichnet Stand September 2026
Wanddurchbruch

Die Kernbohrung für die Klimaanlage

Stand: 16. September 2026Klima-Insider RedaktionLesezeit rund 5 Minuten

Schaubild: Schnitt durch die Wand mit sechs bis acht Zentimetern Bohrdurchmesser und Gefälle nach außen
Das Gefälle nach außen ist der Punkt, an dem sich saubere Arbeit zeigt.

Die kurze Antwort: Sechs bis acht Zentimeter Durchmesser, leicht nach außen geneigt, lückenlose Isolierung durch die Wand und eine dauerelastische Abdichtung außen. Bei gedämmter Fassade kommt hinzu, dass die Dämmebene geschlossen und das Außengerät im tragenden Untergrund verankert wird.

Ein Loch in der Wand klingt nach dem einfachsten Teil der Montage. Tatsächlich ist es die Stelle, an der die meisten Folgeschäden entstehen, und zwar erst Jahre später. Wer versteht, worauf es ankommt, erkennt beim Ortstermin schnell, ob sauber gearbeitet wird.

Was durch das Loch muss

Durch die Öffnung gehen zwei Kältemittelleitungen samt Isolierung, der Kondensatschlauch und die Steuerleitung. Zusammen ergibt das üblicherweise einen Durchmesser von sechs bis acht Zentimetern.

Zu klein gebohrt bedeutet, dass die Isolierung gequetscht wird. Dann kondensiert Wasser am kalten Rohr, und das läuft in die Wand. Zu groß gebohrt bedeutet unnötigen Aufwand beim Abdichten. Der richtige Durchmesser ergibt sich aus der Anlage, nicht aus dem vorhandenen Bohrer.

Das Gefälle nach außen

Die Bohrung muss leicht nach außen geneigt sein, üblicherweise ein bis zwei Grad. Der Grund ist einfach: Wasser soll nach draußen laufen, nicht in die Wand.

Eine waagerechte oder gar leicht nach innen geneigte Bohrung ist ein klassischer Pfusch-Indikator. Sie fällt jahrelang nicht auf und zeigt sich dann als Feuchtefleck unter dem Innengerät.

Wärme­dämm­verbund­system: der heikle Fall

Bei einer gedämmten Fassade durchdringt die Bohrung eine weiche Dämmschicht. Zwei Dinge sind hier wichtig.

Erstens muss die Dämmebene an der Durchführung sauber abgeschlossen werden, sonst entsteht eine Wärmebrücke und im ungünstigen Fall ein Weg für Feuchtigkeit hinter die Dämmung. Zweitens braucht die Befestigung des Außengeräts eine Verankerung im tragenden Untergrund, nicht in der Dämmung. Dafür gibt es Abstandsmontagesysteme.

Wer ein Außengerät einfach in die Dämmung dübelt, erzeugt zwei Probleme gleichzeitig: eine unsichere Befestigung und eine zerdrückte Dämmschicht, in der sich Feuchtigkeit sammelt.

Wem die Wand gehört

Bevor gebohrt wird, steht die Frage, wer das entscheiden darf. In einer Eigentumswohnung ist die Außenwand Gemeinschaftseigentum; die Durchbohrung ist eine bauliche Veränderung und braucht einen Beschluss der Eigentümergemeinschaft. Der Bundesgerichtshof hat am 17. Juli 2026 entschieden, dass ein Wohnungseigentümer die Gestattung eines Klima-Splitgeräts grundsätzlich verlangen kann, auch wenn dafür die Fassade durchbohrt werden muss, und dass die bloße Befürchtung von Lärm dafür nicht als Ablehnungsgrund genügt (Az. V ZR 162/25). Was daraus im Einzelnen folgt, steht unter Klimaanlage in der Eigentumswohnung. Zur Miete gilt das nicht; dort entscheidet die Vermieterseite, siehe Klimaanlage in der Mietwohnung.

Diese Einordnung ersetzt keine Rechtsberatung. Wir sind keine Rechtsanwaltskanzlei; verbindlich ist Ihr Einzelfall bei einer Rechtsanwältin oder einem Rechtsanwalt.

Statik: meist unkritisch, aber nicht immer

Eine Bohrung mit sechs bis acht Zentimetern durch eine übliche Außenwand ist statisch in aller Regel unproblematisch. Ob im Einzelfall ein Nachweis nötig ist, entscheidet nicht eine Faustregel, sondern der ausführende Betrieb nach Blick auf die Wand – und bei Zweifeln eine Tragwerksplanerin oder ein Tragwerksplaner.

Anders kann es aussehen bei sehr schlanken Wänden, bei Fertighauskonstruktionen mit tragenden Holzständern oder wenn mehrere Durchführungen dicht beieinander liegen. Im Zweifel entscheidet das der ausführende Betrieb vor Ort, nicht der Katalog. Der rechtliche Rahmen steht unter Klimaanlage in der Eigentumswohnung.

Abdichten und Verkleiden

Nach dem Durchführen wird die Öffnung außen dauerelastisch abgedichtet, damit weder Wasser noch Zugluft eindringen. Innen kommt eine Wanddurchführung oder eine Blende, die den Übergang sauber abschließt.

Achten Sie darauf, dass die Isolierung der Leitungen lückenlos durch die Wand hindurchgeht. Genau an der Wandöffnung wird sie beim Durchziehen gern beschädigt, und dort sieht später niemand mehr hin.

Staub und Nachbarn

Eine Kernbohrung ist laut und staubig. Nassbohren reduziert den Staub erheblich, dann tritt aber Bohrschlamm aus, den man auffangen sollte. Räumen Sie den Bereich vorher frei und decken Sie Empfindliches ab.

Ein kurzer Hinweis an die Nachbarn am Vortag kostet nichts und erspart Ärger, gerade in Mehrfamilienhäusern.

Woran Sie saubere Arbeit erkennen

  • Durchmesser passend zur Anlage, nicht zum vorhandenen Werkzeug
  • Bohrung leicht nach außen geneigt
  • Isolierung lückenlos, auch im Wanddurchgang
  • Außen dauerelastisch abgedichtet, innen sauber verkleidet
  • Bei gedämmter Fassade: Dämmebene geschlossen, Befestigung im tragenden Untergrund
  • Bohrschlamm oder Staub aufgefangen und entfernt

Der komplette Montageablauf steht unter So läuft die Installation ab, und was in ein vollständiges Angebot gehört, unter Angebote richtig vergleichen.

Wer das macht: Kernbohrung, Durchdringung der Dämmebene und die Verankerung des Außengeräts gehören in die Hand des ausführenden Fachbetriebs. Dieser Beitrag beschreibt, woran Sie eine saubere Ausführung erkennen, und ist keine Anleitung zur Eigenmontage.

Quellen

  • Bundesgerichtshof, Pressemitteilung 130/2026 zum Urteil vom 17. Juli 2026, Az. V ZR 162/25. Vorinstanzen: Amtsgericht Pankow, Urteil vom 24. April 2024, Az. 7 C 24/24 WEG, und Landgericht Berlin II, Urteil vom 25. Juli 2025, Az. 56 S 40/24 WEG. Abgerufen am 8. September 2026.

Klima-Insider Redaktion

Recherchiert und geschrieben von der Klima-Insider-Redaktion. Wir verkaufen keine Geräte und montieren nichts, deshalb können wir auch schreiben, wann sich eine Anlage nicht lohnt. Wie wir arbeiten und wo unsere Grenzen liegen, steht in der Methodik und unter Über uns.

Weiterlesen

Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Wie groß ist der Wanddurchbruch für eine Klimaanlage?

Üblich sind sechs bis acht Zentimeter Durchmesser. Hindurch gehen zwei isolierte Kältemittelleitungen, der Kondensatschlauch und die Steuerleitung. Der richtige Durchmesser ergibt sich aus der Anlage, nicht aus dem vorhandenen Bohrer.

Warum muss die Bohrung geneigt sein?

Damit Wasser nach draußen läuft und nicht in die Wand. Üblich sind ein bis zwei Grad Gefälle nach außen. Eine waagerechte Bohrung fällt jahrelang nicht auf und zeigt sich dann als Feuchtefleck unter dem Innengerät.

Was ist bei einer gedämmten Fassade zu beachten?

Die Dämmebene muss an der Durchführung sauber abgeschlossen werden, sonst entstehen Wärmebrücke und Feuchtewege. Die Befestigung des Außengeräts gehört in den tragenden Untergrund, dafür gibt es Abstandsmontagesysteme. Nicht in die Dämmung dübeln.

Braucht es eine statische Berechnung?

Bei einer üblichen Außenwand und einer einzelnen Bohrung dieser Größe in der Regel nicht. Bei schlanken Wänden, Holzständerbauweise oder mehreren dichten Durchführungen kann das anders sein. Diese Einschätzung trifft der ausführende Betrieb vor Ort, nicht wir.

Wie viel Staub entsteht?

Bei trockener Kernbohrung erheblich. Nassbohren reduziert den Staub deutlich, dabei tritt aber Bohrschlamm aus, der aufgefangen werden sollte. Räumen Sie den Bereich vorher frei und decken Sie Empfindliches ab.