
Die kurze Antwort: Moderne Geräte heizen auch bei deutlichen Minusgraden, verlieren dabei aber an Leistung und Effizienz. Rechnen Sie mit regelmäßigen Abtauzyklen, in denen kurz nicht geheizt wird, und klären Sie vor der Montage, wohin das Abtauwasser läuft.
Dass eine Splitanlage in der Übergangszeit heizen kann, überrascht niemanden mehr. Die eigentliche Frage kommt im Januar: Funktioniert das auch bei zweistelligen Minusgraden, oder steht man dann im kalten Zimmer?
Die kurze technische Antwort
Ja, moderne Geräte heizen auch bei deutlichen Minusgraden. Die Wärmepumpe entzieht der Außenluft Wärme, und Luft enthält auch bei minus zehn Grad noch Energie. Was sinkt, ist nicht die Funktion, sondern die Effizienz und die verfügbare Leistung.
Stiftung Warentest prüft die Heizfunktion von Split-Klimageräten in Ausgabe 6/2026 bei 20 Grad Innentemperatur und Außentemperaturen von 12, 7, 2, minus 7 und minus 15 Grad. Dass die Prüfung diese Stufen überhaupt umfasst, zeigt schon, dass der Heizbetrieb bei deutlichen Minusgraden vorgesehen ist. Wie die einzelnen Geräte dort abschneiden, steht in den Testergebnissen selbst; wir geben sie hier nicht wieder, weil wir nicht selbst gemessen haben und fremde Testergebnisse nicht nacherzählen.
Wir selbst messen nicht, deshalb ist das eine Fremdquelle mit Fundstelle und keine eigene Erfahrung. Für Geräteempfehlungen ist Stiftung Warentest die bessere Adresse als wir, warum, steht in der Methodik.
Warum die Leistung trotzdem sinkt
Je kälter die Außenluft, desto weniger Wärme lässt sich ihr entziehen und desto mehr Strom braucht das Gerät für dieselbe Wärmemenge. Der SCOP bildet diesen Effekt über die Saison ab, siehe SEER und SCOP verstehen.
Praktisch heißt das: Eine Anlage, die bei plus 7 Grad mühelos heizt, arbeitet bei minus 10 Grad langsamer und teurer. Für einen einzelnen Raum reicht das meist trotzdem. Für ein ganzes Haus wird es zur Auslegungsfrage.
Der Abtaubetrieb
Bei feuchter Kälte, also typischerweise zwischen etwa plus 5 und minus 5 Grad, kondensiert Luftfeuchtigkeit am Wärmetauscher des Außengeräts und gefriert dort. Eine vereiste Lamellenfläche nimmt keine Wärme mehr auf.
Deshalb kehrt die Anlage regelmäßig kurz den Kreislauf um und taut ab. In dieser Zeit, meist wenige Minuten, heizt sie nicht, und aus dem Außengerät kann Dampf aufsteigen. Das ist normal und kein Defekt.
Zwei Folgen sollten Sie kennen. Erstens fällt beim Abtauen Wasser am Außengerät an, teils mehrere Liter pro Tag. Wohin das läuft, gehört vor der Montage geklärt, sonst haben Sie im Winter eine Eisfläche auf dem Gehweg, siehe Standort des Außengeräts. Zweitens spüren Sie die Heizpause im Raum, wenn das Gerät knapp dimensioniert ist.
Was den Winterbetrieb verbessert
- Standort mit freier Luftführung, damit das Gerät nicht die eigene kalte Abluft ansaugt
- Erhöhter Sockel, damit das Gerät nicht in Schnee oder Schmelzwasser steht
- Kein dauerhafter Windschatten mit Feuchte, das begünstigt häufigeres Abtauen
- Ablauf für das Abtauwasser, weg von Wegen und Zufahrten
- Nicht abdecken, solange geheizt wird
- Lamellen nach unten, weil warme Luft aufsteigt, siehe Richtig einstellen
Wann eine Zusatzheizung nötig bleibt
Wenn die Splitanlage die einzige Wärmequelle im Raum ist und der Raum schlecht gedämmt oder groß ist, kann es an sehr kalten Tagen knapp werden. Dann fehlt nicht die Funktion, sondern die Leistung.
Für die meisten Haushalte stellt sich die Frage anders: Die Splitanlage ergänzt eine vorhandene Heizung und übernimmt einzelne Räume in der Übergangszeit. In dieser Rolle spielt der tiefe Winter kaum eine Rolle, weil dann ohnehin die Zentralheizung läuft. Die Abgrenzung steht unter Mit der Klimaanlage heizen.
Ein Wort zu Frostschutz und Dauerbetrieb
Viele Geräte haben eine Frostschutzfunktion, die den Raum auf einer niedrigen Temperatur hält, oft um 8 bis 10 Grad. Das ist nützlich für Räume, die im Winter nicht genutzt, aber nicht auskühlen sollen, etwa ein Gästezimmer.
Dauerbetrieb auf kleiner Stufe ist im Heizbetrieb meist effizienter als wiederholtes Aufheizen aus dem Kalten, weil die Wärmepumpe bei kleiner Temperaturdifferenz besser arbeitet.
Quellen
- Stiftung Warentest, „Klimageräte im Test“, test 6/2026, veröffentlicht am 27. Mai 2026, zuletzt aktualisiert am 19. August 2026. Aus der frei einsehbaren Beschreibung des Prüfverfahrens: geheizt wird bei 20 Grad Innentemperatur und Außentemperaturen von 12, 7, 2, minus 7 und minus 15 Grad. Die Einzelergebnisse sind kostenpflichtig und werden hier nicht wiedergegeben. Abgerufen am 15. September 2026.
Klima-Insider Redaktion
Recherchiert und geschrieben von der Klima-Insider-Redaktion. Wir verkaufen keine Geräte und montieren nichts, deshalb können wir auch schreiben, wann sich eine Anlage nicht lohnt. Wie wir arbeiten und wo unsere Grenzen liegen, steht in der Methodik und unter Über uns.
Weiterlesen
- Heizen im Überblick: alle Beiträge zum Heizbetrieb
- Mit der Klimaanlage heizen: die Grundlagen und Grenzen
- SEER und SCOP: wie die Effizienz über die Saison gemessen wird
- Standort des Außengeräts: Sockel und Abtauwasser
- Einwintern: wenn Sie nur kühlen